Tim R. Schneider

Wir schreiben das Jahr 1986 – ein Jahr später macht der Hessentag in Melsungen Rast, zwei Jahre später stehe ich mit der Schultüte auf dem Hof der Christian-Bitter-Grundschule. Doch erst einmal begann der musische Werdegang in dem Gebäude der damaligen Fuldatalschule - heute ist da witzigerweise wieder die Musikschule, gepaart mit der Volkshochschule, beheimatet - mit der musikalischen Früherziehung.

Fünf Jahre war ich jung und war einfach nur angetan davon, gleich in den ersten 45 Minuten mit Holzklöppeln auf Holzstäbe hämmern zu dürfen und mit Rasseln oder ähnlichen Geräuschefabrikanten herum zu lärmen. Dass diesem Instrumentarium auch musikgeschichtlich eine gewichtige Rolle zukommt wie etwa bei Carl Orffs „Carmina Burana“ oder dem „Jumping Jack Flash“ der Rolling Stones, wurde mir erst später klar. 

 Das Jahr der Einschulung ist auch das Jahr des beginnenden Blockflötenunterrichtes. 3 Mädchen und 1 Junge versuchen etwaige Töne dem mit Löchern versehenen Rohr aus Holz zu entlocken. Nach und nach gelingt dies und es geschah das, was vorher wahrscheinlich keiner für möglich hielt – es wurde zusammen musiziert. Eine gemeinsame Tonfabrikationsanlage entstand. Laut, leise, schnell, langsam, hoch, tief, schief, sauber – alles war dabei. Die Begriffe die sich hier für ein Blockflötenensemble anwenden lassen, ließen sich natürlich auch für eine Band anwenden und würden sicherlich sofort um einiges cooler klingen - nur das dass damals noch niemand von uns so genannt hätte. Aber dies darf gern als Tipp weiterverfolgt werden: Es lernt sich sicherlich nie mehr so schnell ein geübtes Zusammenspiel, gegenseitiges (aufeinander)Hören, gemeinsames Gestalten der Musik und bringt, wenn alles funktioniert, wenn’s groovt & swingt, soviel Spaß und Freude an der Musik. Ein Blockflötenensemble als Einstieg in die Welt des Rock´n ´Roll – ideal


Zwei Jahre Später, Deutschland war mittlerweile wiedervereint und ich in der zweiten Klasse, begann das Bearbeiten der schwarzen & weißen Tasten. Klavierunterricht. Obwohl die Töne im Gegensatz zur Blockflöte alle schon „da sind“ und nur richtig gedrückt werden wollen, erschien mir das alles doch recht unübersichtlich. Die Bezeichnung des Klavieres als „Ein-Mann-Symphony-Orchester“ hat schon einiges für sich: Es braucht ein bisschen (mehr) Anlauf um richtig in Fahrt zu kommen. Doch hat sich der Schwung eingestellt, so ist es das perfekte Instrument, um alleine zu musizieren, sich singend dazu zu gesellen, mit nem Kontrabass & nem Schlagzeug als Jazztrio ersten Versuchen nach zu gehen, dem Chor links hinter der Linde harmonisch etwas unter die Arme zu greifen oder bei Belieben sämtliche harmonische Zusammenhänge der Musikgeschichte an den Tasten zu begreifen.


Und warum lernt man dann drei Jahre später noch Violoncello? Nun ja, ein Klavier hat einfach nicht den Ton, die Klangfarbe eines Cellos, nicht die Form und schon gar nicht das Format. Ein Klavier könnte niemals so elegant als Schwan über das Wasser schwimmen oder gar apokalyptischen Hardrock in Quartettbesetzung formulieren. Das Violoncello ist das Instrument der Emotionen – es sollte in der heutigen „Emo-Welle“ einen Platz als „Proto-Emo“ bekommen, vielleicht!

 

Tim R. Schneider 

1986 – 2001 Schüler der Musikschule Schwalm Eder Nord

2002 - 2009 Studium der Musikwissenschaften, Kulturwissenschaften & Kirchengeschichte.

Heute Promovent der Musikwissenschaften und wohnhaft in Berlin.

 

© 2012 www.musikschule-schwalm-eder-nord.de

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